260 Millionen Euro Mehrkosten?

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Wiesbadener Tageblatt vom 24.11.2008
Bahn nennt Kostenrechnung für ICE-Tunnel bei Lorsch unseriös/Grüne wollen Antworten
red. BERGSTRASSE "Wir weisen den Kreisausschuss auf eine erste Stellungnahme der DB AG zur Bergsträßer Tunnelforderung hin und bitten um Klarstellung", erläutert Thilo Figaj einen Fragenkatalog, den die Fraktion der Grünen zur Kreistagssitzung am Montag, 8. Dezember, formuliert hat.
Sie beziehen sich dabei auf eine Vorlage des Regierungspräsidiums (RP) an die Regionalversammlung (RVS). Die Stadt Lorsch hatte beantragt, einen Vorbehaltsstreifen von 75 Metern Breite an der A67 im Gewerbegebiet Daubhart, den das Raumordnungsverfahren für die ICE-Trasse vorsieht, auf 40 Meter zu reduzieren. Lorsch begründe dies vor allem damit, dass es eine Machbarkeitsstudie für einen 12 Kilometer langen Tunnel gebe, der Streifen also gar nicht mehr in dieser Art und Weise vorgehalten werden müsse. Der Kreis Bergstrasse unterstütze das Lorscher Anliegen beim Regierungspräsidium.
Die Obere Landesplanungsbehörde habe sich nun eindeutig gegen das Lorscher Vorhaben ausgesprochen, berichten die Grünen aus der Regionalversammlung. Das RP weise dabei auf die überörtliche Bedeutung der Planung, besonders aber auf eine Stellungnahme hin, in der die DB AG erstmals ausführlich zu dem geforderten bergmännischen Tunnel Position bezogen habe.
"Das ist eine ziemlich klare Sprache der Bahn in diesem Papier", analysiert Jochen Ruoff. "Wir müssen uns fragen, ob die Argumente für eine Tunnellösung stichhaltig genug sind."
Thilo Figaj, für die Bergsträßer Grünen in der RVS, führt aus: "Die Bahn bezeichnet die Kostenrechnung des Kreises beim Vergleich eines Tunnels mit der ebenerdigen Trassenführung als `nicht nachvollziehbar und unseriös´." Das sei nicht nur ein schwerer Vorwurf, sondern werde von der Bahn auch beziffert. "Nach Angaben der DB AG setzt der Kreis die Rohbaukosten für einen Tunnel um mindestens 84 Millionen Euro zu niedrig an, die für eine oberirdische Lösung dagegen um 227 Millionen Euro zu hoch."
Die Tunnelmehrkosten beziffere die Bahn in der Summe auf mindestens 260 Millionen Euro. Das müsse man zur Kenntnis nehmen, sagen die Grünen. Man könne schließlich nicht so tun, als ob die DB AG keine Ahnung habe, von was sie rede. "Die Bahn muss es ja nicht selbst bezahlen", erinnert Ruoff, "letztlich ist es eine Haushaltsentscheidung beim Bund." Aber neben den immensen Mehrkosten führe sie auch noch weitere Gründe gegen den Tunnel an, die ebenfalls einer Würdigung bedürften. Das seien zum einen der Flächenverbrauch durch Aufspreizung der Streckengleise, Auframpungen im Jägersburger Wald und vor allen Dingen der immense Aushub, dessen Abtransport und Lagerung völlig offen sei.
Die Bündnisgrünen haben nun eine Anfrage an den Kreisausschuss gestellt, um all diese Fragen zu klären.
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